High-Protein-Produkte: Ein Muss oder nur ein Trend?​

Erdbeer-Schoggi-News 4/2024

High Protein

Fett macht fett und Kohlenhydrate sind sowieso schlimm und machen dick. Da bleiben uns ja nur noch die Proteine.

Diesem Trend folgen seit einiger Zeit auch die Detailhändler, in deren Kühlregalen immer mehr Produkte mit High-Protein-Werbung hervorstechen. Aber wer profitiert denn nun hauptsächlich von diesen Produkten? Sind es die Konsumentinnen und Konsumenten oder doch eher die Produzenten und Detailhändler?

Eines ist klar. Der Umsatz an High-Protein-Produkten ist stetig am Steigen, was zeigt, dass diese bei der Bevölkerung offensichtlich ankommen, obwohl der Preis dieser Produkte hoch sein kann.

In der Schweiz darf ein Produkt als „High Protein“ gekennzeichnet werden, wenn der Eiweissanteil mindestens 20 % des gesamten Energiewerts ausmacht. Zudem darf der hohe Proteingehalt nicht als Selbstverständlichkeit angesehen werden. Produkte wie Pouletbrust oder Eier, die von Natur aus einen hohen Eiweissgehalt haben, können daher nicht mit dem Hinweis „High Protein“ versehen werden.

Schauen wir uns das Eiweiss mal etwas genauer an

  • Proteine gehören neben Kohlenhydraten und Fetten zu den drei Hauptnährstoffen. Eiweiss benötigt der Körper, um z. B. Zellen zu erneuern, die Funktion der Organe und der Immunabwehr aufrechtzuerhalten, lebensnotwendige Stoffe zu produzieren und nicht zuletzt die Muskulatur zu erhalten.
  • Proteine machen lange satt, da sie im Magen verdaut werden. Solange der Verdauungsprozess also noch im Gange ist, sendet der Magen über Signale ins Gehirn, dass er noch keinen Nachschub braucht. 
  • Eiweiss sorgt zudem für einen ausgeglichenen Blutzuckerspiegel, sodass es viel weniger zu Heisshungerattacken kommt. 
  • Betrachten wir das Ganze aus der Perspektive der Energiezufuhr, schneiden Eiweiss und Kohlenhydrate mit je 4 Kcal pro Gramm gleich ab. Fette liefern mehr als doppelt so viele Kalorien, nämlich 9 Kcal pro Gramm. 
  • Aber wie viel kommt denn wirklich in den Zellen an? Bei den Fetten sind es ca. 98 %. Bei den Kohlenhydraten wandern ca. 90 % der gegessenen Kalorien in die Zellen, und bei den Proteinen sind es nur noch 70 – 80 %. Eiweiss ist also ein guter Verbündeter im Kampf gegen zu viele Kilos auf der Hüfte.

Diese Erkenntnisse zeigen auf, dass wir unbedingt genügend Proteine im Alltag einbauen müssen. Die Schweizerische Gesellschaft für Ernährung empfiehlt eine Zufuhr von 0,8 g pro Kilogramm Körpergewicht bei gesunden Erwachsenen. Meiner Meinung nach darf es auch etwas mehr sein, damit wir gut bis sehr gut und nicht nur befriedigend versorgt sind. Es gibt zudem Lebensphasen, in denen speziell auf eine höhere Zufuhr geachtet werden sollte (z. B. bei Sportlern, bei Kranken und/oder alten Menschen,  in einer Schwangerschaft usw.).

Müssen es aber wirklich High-Protein-Produkte sein?

Wenn wir zu jeder Mahlzeit auf einen genügend grossen Anteil an Proteinen aus „normalen“ Lebensmitteln oder Produkten achten und uns auch bei Zwischenmahlzeiten mit proteinhaltigen Lebensmitteln versorgen, ist der Bedarf in der Regel gedeckt. Ideale Lieferanten sind Milch und Milchprodukte (Käse, Hüttenkäse, Quark, Joghurt, Buttermilch, Molke), Eier, Fisch und Fleisch, Nüsse, Hülsenfrüchte (z. B. Linsen, Kichererbsen, Kidney Bohnen), Haferflocken und Pilze. 

Trotzdem kann es in gewissen Fällen hilfreich sein, sich mit einem High-Protein-Produkt zu versorgen, wenn ein paar Dinge beachtet werden:

  • Ein Einsatz könnte hilfreich sein, wenn es in gewissen Situationen schwierig ist, den Minimum-Bedarf an Eiweiss mit normalen Lebensmitteln zu decken. Wie kann ich aber herausfinden, ob ich mit Eiweiss genügend versorgt bin? Rechnen Sie 0,8 Gramm x Anzahl Kilos Ihres Körpergewichts aus. Dies ergibt die Minimum-Menge an Eiweiss pro Tag, die Sie essen sollten. Danach lohnt es sich, ein paar Tage lang mit einer App (z. B. mit FatSecret) die Protein-Zufuhr zu erfassen, um die Ist- mit der Soll-Menge zu vergleichen.
  • Weiter gibt es Situationen, in denen uns der «Gluscht» nach Süssem packt, sodass wir nach stark gezuckerten Produkten greifen würden. In diesen Fällen könnte ein High-Protein-Drink  oder  -Pudding als Ersatz zum Einsatz kommen. Diese sind zwar oft mit Süssstoff gesüsst, lassen dadurch aber den Blutzuckerspiegel nicht Achterbahn fahren.
  • Eine weitere Möglichkeit bietet sich an, ein Proteinpulver zu Hause zu haben, womit normale Produkte ergänzt werden könnten, falls die Zufuhr von Eiweiss zu knapp sein sollte.

Es gibt bei diesem Thema also kein Richtig oder Falsch, sondern sollte situationsbedingt angepasst werden. Auf jeden Fall sind normale eiweissreiche Lebensmittel zu bevorzugen, die im Bedarfsfall mit High-Protein-Produkten ergänzt werden können.

Quelle: Weder, J. (2024): Neue Zürcher Zeitung: Der Hype um High Protein
Bild: https://de.freepik.com/vektoren-kostenlos/sammlung-von-proteinriegelelementen_36304603.htm